
Sie nennen sich Bruizilla, Polly Purgatory oder Evil-Lynn. Sie tragen grelle Outfits und üben eine Sportart aus, die es hierzulande noch nie gegeben hat, obgleich sie in den USA seit 2001 ein erfolgreiches Revival erleben mit dem wohl auch dort niemand gerechnet hätte. Die Rede ist von den Stuttgart Valley Rollergirls und ihr Sport nennt sich Roller Derby, wird auf Rollschuhen ausgeübt und ist eine Art aggressives Rollschuh-Rennen auf einer ovalen Bahn.
1935 veranstaltete der Sportpromoter Leo A. Seltzer das erste Roller Derby Rennen in Chicago. Was als „simples“ Ausdauer- Rennen ¸ber eine Distanz von 3000 Meilen begann, entwickelte sich im Laufe der Zeit zu einem offensiven Spiel, bei dem die Kollisionen der Skater das Aufregendste zu sein schienen.
Das Derby spielte sich auf geneigten, ovalen Bahnen ab, wobei Frauen und Männer in abwechselnden Intervallen spielten. Während der 40er und 50er Jahre wuchs die Popularität des Spiels stetig an und Roller Derby bekam den Ruf, ein raues, aggressives Spiel zu sein, nicht zuletzt aufgrund der Intensiven Rivalitäten der Spieler untereinander, eine Tatsachte die das Spiel jedoch sehr spannend machte. Mitte der 1980er Jahre verschwand das Interesse und dadurch auch der kommerzielle Erfolg.
Doch weshalb ist das Spiel so erfolgreich? Vielleicht weil es sich zum einen um reine Frauenmannschaften handelt. Zum anderen beschränkt sich das Spiel nicht ausschließlich auf die sportlichen Leistungen, es hat auch eine Prise Theatralik und Show. Jedes der Teams hat ein unverkennbares „Thema“ mit den dazugehörigen ausgefallenen Outfits. Die Spielerinnen legen ihren ordinären Namen ab, um ein provokantes Pseudonym wie Chainsaw Suzie, Miss Tsunami oder Dolly BustHer (ein Wortspiel aus der Prominenten Dolly Buster und dem englischen „bust her“) anzunehmen. Netzstrümpfe scheinen obligatorisch. Somit ist dies auch eine klare Kampfansage an die klassischen Attribute von jungen Frauen. Die Contenance muss hier keine bewahren, den „lady-like behaviour“ ist bei diesem Spiel nicht gefragt.


